Schloss Hartenfels Torgau - Schauplatz von 500 Jahren Weltgeschichte

Was haben Napoleon, Zar Peter I, Johann Friedrich der Großmütige und Martin Luther gemeinsam? – Sie alle prägen die Geschichte von Schloss Hartenfels in Torgau als bedeutendes Festungsensemble, kurfürstliches Schloss und Meilenstein der Kirchen- und Architekturgeschichte.

Schloss Hartenfels begeistert durch seine märchenhafte Lage inmitten der Elbauenlandschaft und durch seine sagenhafte Geschichte. Sie reicht zurück bis ins 11. Jahrhundert. Im Zeitalter der Reformation war Schloss Hartenfels als Residenz der Kurfürsten von Sachen das politische Zentrum der Macht. Die Landesherren Friedrich der Weise, Johann Friedrich der Beständige und Johann der Großmütige waren aktive Förderer und Wegbereiter der Reformation. In den Jahren zwischen 1485 und 1546 erlebte die einstige mittelalterliche Burganlage einen gewaltigen Umbau zu einer der bedeutendsten und schönsten Schlossanlagen Europas.

Schloss Hartenfels legte die Grundlagen für die Entwicklung des neuzeitlichen Wohnschlosses und war Vorbild für viele repräsentative Schlossbauten des 16. Jahrhunderts wie z. B. das Berliner Stadtschloss unter der Bauherrschaft von Kurfürst Joachim II. von Brandenburg. Der Große Wendelstein (Bauzeit 1533-1537) zählt zu den Inkunabeln der Architekturgeschichte. Das Meisterwerk des Baumeisters Konrad Krebs ist eine freitragende Treppenspindel ohne Mittelsäule, deren geschossübergreifende Erscheinung besonderen statischen Prinzipien unterliegt. Er ist nun nicht nur funktionales Bauteil, sondern auch ein Stück herrschaftlicher Repräsentation. Der Groteskenfries im Spiegelstube des Großen Wendelsteins ist eines der seltenen Beispiele einer erhaltenen Wandmalerei der Wittenberger Cranach-Werkstatt. Archivalien belegen zudem die Beteiligung Cranachs an der Ausgestaltung der kurfürstlichen Gemächer im Jahre 1544.

Die Schlosskapelle steht räumlich und inhaltlich in unmittelbarem Zusammenhang mit den Kurfürstlichen Gemächern. Sie gilt als der erste evangelische Sakralbau, den Martin Luther – kurz vor seinem Tod – am 5. Oktober 1544 weihte. Er rühmte diesen Kirchenbau mit den Worten: "Salomo hat nirgends einen so schönen Tempel gebaut, als Torgau hat."

Die Kapelle hebt sich aus dem gesamten Baukörper des Schlosses lediglich durch das Portal hervor. Das Innere des Kirchraumes ist im Wesentlichen original erhalten. Die Proportionen und der Raumeindruck der Torgauer Schlosskapelle folgen den neuen liturgischen Erfordernissen des evangelischen Gottesdienstes mit Predigt, Sakramentsliturgie und Gemeindegebet. Der saalartige Bau mit zwei umlaufenden Emporen mit der zentralen architektonischen und inhaltlichen Ausrichtung auf das Wort Gottes wurde beispielgebend für eine Reihe bedeutender evangelischer Sakralbauten, in deren Tradition später z. B. die Dresdner Frauenkirche steht.

Schloss Hartenfels war bis ins 18. Jahrhundert Schauplatz vieler bedeutender Feierlichkeiten der Wettiner. Hier wohnte z. B. der russische Zar Peter der Große 1711 der Vermählung seines Sohnes Alexej mit Charlotte Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel bei. Einhundert Jahre später regte kein geringerer als Kaiser Napoleon den Bau einer der modernsten Festungsanlagen Europas an, die auch Schloss Hartenfels mit einbezog und eine logistische Schlüsselrolle im Russlandfeldzug von 1812 spielte.

Das militärische Erbe von Torgau ist ebenso reich wie das kurfürstliche. Mehr als einmal bot Schloss Hartenfels eine würdige Kulisse für weltpolitische Ereignisse: Die entscheidende Schlacht 1760 auf den nahegelegenen Süptitzer Höhen läutete das Ende des 7-Jährigen Krieges ein. Ganz in der Nähe elbaufwärts besiegelten russische und amerikanische Streitkräfte durch ihren Handschlag 1945 das Ende des zweiten Weltkrieges.

Heute ist Schloss Hartenfels u. a. Sitz der Nordsächsischen Landkreisverwaltung, Ort für anspruchsvolle Ausstellungsprojekte der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und des Torgauer Museumspfades. Außerdem befindet sich hier das DIZ Torgau als Teil der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft. Es erinnert damit auch an ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte, die auch Schloss Hartenfels als Sitz der deutschen Militärjustiz tangierte.

 
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